Der St. Florian

Zu der 125-Jahrfeier der Freiwilligen Feuerwehr
Hötzum überreichte Kamerad Christian Arnold einen Guss des Heiligen St.
Florian mit einer Besitzurkunde dem Ortsbrandmeister Uwe Geisler für die
Freiwillige Feuerwehr Hötzum. Er sprach die Hoffnung aus, das dieser St.
Florian seine Aufgabe als ganz persönlicher Schutzpatron der Wehr erfüllen
möge.
Acht Kameraden, Helmut Ahlfänger, Christian
Arnold, Klaus Bandurski, Hans-Joachim Grundmann, Hans-Joachim Curland, Willi
Nawatzky, Reinhard Rasch und Hartmut Rohmann verbrachten einige Tage im
tiefverschneiten Erzgebirge. Bei der Besichtigung der Kunstgiesserei in Sosa
"zündete die Idee", den St. Florian der Hötzumer Wehr zum
125-jährigen Bestehen zu stiften. Mit grossem Engagement schuf Rolf J.
Bonikowski die Besitzurkunde.
Sankt Florian - Schutzpatron der
Feuerwehr
Die schriftlichen Zeugnisse der Florianslegende haben sein Leben und sein
Sterben im frühchristlichen Frühjahr des Jahres 304 jahrhundertelang poetisch
ausgeschmückt. Das Volk jedoch wußte von ihm noch etwas Schöneres. Von Mund
zu Mund wurde eine wundersame Tat des Knaben Florian verbreitet: Er hatte, so
klein er noch war, einen Hausbrand mit einem winzigen Kübel Wasser gelöscht.
Weiterhin blieb ein Köhler in einem brennenden Meiler unversehrt, als er
Florian zu Hilfe gerufen hatte. So bekam der zur Zeit der Christenhasser
Diokletian und Macimin Ertränkte, der mit einem Mühlstein um den Hals in die
reißende Enns geworfen wurde, gegen Ende des Mittelalters die Attribute Feuer,
Haus, Wasserkübel oder Krug. Die früh aufgeschriebenen Floriansberichte setzen
die Märtyrerakten des 2. und 3. Jahrhunderts fort.
Im 3. Jahrhundert nach Christus suchte der römische Statthalter Aquilinus in
Lauriacum, dem heutigen Lorch in Oberösterreich, sein Verwaltungsgenie durch
hochnotpeinliche Forschungen nach Christen zu beweisen. Als er vierzig geheime
Christen eingekerkert und gefoltert hatte, eilte sein ehemaliger
Kanzleivorsteher Florian, der im Stadtgebiet des heutigen St. Pölten zu Hause
war, nach Lorch und bekannte sich offen als Christ.
Florian war ein starkmütiger Einheimischer und weigerte sich selbst dann
noch, abtrünnig zu werden, als ihm Schergen die Schulterblätter zerschmettert
hatten. Daraufhin wurde er von der Ennsbrücke in den Fluß gestürzt. Der ihm
den Stoß gab, blieb danach zeitlebens blind, und - so fahren die nach
Hieronymus, Alkuin und Notker aufkommenden Marterbücher fort - die Flußwellen
erschauerten und setzten den Ertränkten auf einem Felsen ab. Augenblicklich
schwebte ein Adler mit kreuzförmig ausgespannten Flügeln herab und bewachte
die Leiche, bis der Heilige der frommen Witwe Valeria erschienen war. Diese
verbarg seinen Leichnam so lange unter Buchenlaub, bis sie ihn eilig und eifrig
in Gottes Erde bestatten konnte.
Die Florianslegende berichtet, daß Valerias Gespann von kleinen Zugtieren
unterwegs ermattete, worauf die Witwe so lange betete, bis eine heute noch fließende
Quelle entsprang, die ihre Tiere erquickte. Durch jähes Halten bezeichnete sie
kurz darauf den Ort, an dem der Heilige begraben werden wollte.
Man sollte es kaum für möglich halten, daß von einem Manne,
der seine unwandelbare Gefolgschaftstreue und Gesinnungsfestigkeit mit dem
Tode besiegelt hat, heute als bekanntestes nur noch ein windiger Volksspruch
übriggeblieben ist, der die alte Wahrheit beweist, daß manch einer vorgibt,
Gott und seine Heiligen zu lieben, während er's gleichzeitig mit der doch
wahrlich ebenso notwendigen Nächstenliebe gar nicht wichtig nimmt. Solches
ist dem heiligen Florian widerfahren und wären da nicht noch die leibhaftigen
Repräsentanten tatkräftiger Nächstenliebe, die wackeren Mannen der
Feuerwehr, - weiß Gott, es wäre wohl dem Heiligen längst verleidet, sich
von seinen Nachfahren hänseln zu lassen mit dem losen Sprüchlein:
O heiliger Sankt
Florian, verschon´ mein Haus, zünd' and´re an!"
Nun, der gestrenge Florian weiß schon: Es ist mehr bloße Gedankenlosigkeit
als nackte Mißgunst, was das Volk so beten läßt, und daß kein
rechtschaffener Christenmensch seinem Nachbarn im Ernst den roten Hahn an den
Kragen wünscht. Ganz abgesehen davon, da es ihm dann bei der Gelegenheit auch
blühen könnte!
Ganz große Stücke auf Sankt Florian aber muß jener dreimal abgebrannte
Bauer gehalten haben, der über seinen Neubau den Vers gesetzt hat: „Dies Haus
stand einst in Gottes Hand - Und ist doch dreimal abgebrannt. Zum vierten Mal
hab' ich's gebaut - Doch nun Sankt Florian anvertraut!"
Zwar hat sich dieser Versdichter arg in der Rangordnung der Werte verguckt
und dem Gefolgsmann weit mehr zugetraut als dessen Vorgesetztem, aber auch hier
scheint's kein böser Wille oder mangelndes Gottvertrauen gewesen zu sein,
sondern das verstandesmäßig nicht zu beweisende Gefühl, daß einfach der
heilige Florian für das Ressort "Brand und Feuer' der; am ehesten Zuständige
von allen Himmlischen sein müsse.
Noch drastischer drückt ein anderer Hausbesitzer sein Vertrauen zum Heiligen
aus, wenn er über seine Haustüre schreibt:
„Dies Haus steht in Sankt Florians Hand
Verbrennt's, so ist's ihm seine Schand!"
Das ist nun freilich dieselbe Schulbubenlogik, die jenes Büble sagen ließ:
"Meinem Vater geschieht's grad recht, wenn's mich in die Finger friert -
warum kauft er mir keine Handschuhe?"
Unser Volk kennt zwei beliebte Heilige, die mit Gefänßen abgebildet werden:
Den heiligen Veit (oder lateinisch gesprochen: „Sankt Vitus") und St.
Florian. Der erste wurde jedoch nur durch ein pures Versehen zum Patron der -
Bettnässer: Weil er in einem Kessel voll glühenden Öls zu Tode gemartert
worden war, gab man ihm später auf seinen Statuen solch rundes Behältnis als
kennzeichnendes Attribut in die Hand. Aus Material- und Platzmangel wurde dieser
Kessel zuweilen so klein dargestellt, im Verhältnis zu seiner Figur, daß
irgendwann und irgendwo einmal das Mißverständnis entstanden ist, der gute
Heilige trage da jenes allzumenschliche Geschirr in der Hand, dessen man
zuweilen, besonders nächtlicherweile, kaum entraten kann. Und so erklärt sich
die Entstehung jenes Gebetes, das die Omas und Ammen der halben Welt in tausend
Dialekten ihren Schützlingen vorzubeten pflegen:
„Heiliger Sankt Veit: Weck´ mich bei
Zeit!
Nicht zu früh und nicht zu spät, Daß
nichts ins Bett geht!"
Kein Zweifel, daß es auch in diesem Spezialfall oft recht
„brandeilig" zugehen mag, aber unser heiliger Florian kam denn doch
echter und gerechter zu seinem Patronat für Feuersbrunst und Brandgefahren, und
damit auch zu seinem Schöpfgefäß, das er auf seinen Bildern über den
Brandherd ausgießt, der ihm zu Füßen emporschwelt.
Er war der Zeitgenosse der heiligen Barbara, gehört also in die letzte
Etappe der Christenverfolgung. Allem nach war die römische Provinz Noricum
seine Heimat, also etwa Oberösterreich, Steiermark und Kärnten. Als Oberst des
römischen Heeres hatte er sich pensionieren lassen. Noch war das Christentum
offiziell nicht als Staatsreligion anerkannt, wiewohl vernünftige Statthalter
zuweilen schon anderthalb bis zwei Augen zudrückten, wenn sie einen Christen
entdeckten. Aber immer wieder kam es unter Scharfmacher und Hundertfünfzigprozentigen
zu Säuberungen. vor allem im Heer. So wurden auch - es muß um die dritte
Jahrhundertwende gewesen sein im Römerkastell Lauriacum dem heutigen Lorch an
der Enns, vierzig christliche Soldaten vor die Alternative gestellt: Entweder
Treue zu Christus oder zum Kaiser Diokletian. Als ob Fahneneid und Christentaufe
sich, gegenseitig ausschlossen! Als Veteran wäre Florian ohne weiteres als
„nicht betroffen" eingestuft worden, aber er hatte einen so hohen Begriff
von der Kameradschaft mit seinen einstigen Waffengenossen, daß er schnurstracks
sich aufmachte, um mit seinem Bekenntnis ihre Standhaftigkeit zu untermauern. Schon
auf dem Hinweg fiel er in die Hand der Häscher. Dann ergoß sich die ganze
Litanei des Leidens und Quälens über ihn: Folter und Zange, Geißel und
Peitsche, Brennen und Sengen bis zur Bewußtlosigkeit. Aber seine Ohnmacht
erwies erst die Ohnmacht all dieser sadistischen Mittel. Zuletzt schleppt man
einen Mühlstein herbei und hängt ihn dem Gemarterten um den Hals, um ihn in
die Enns zu stürzen, die seine Leiche ans Ufer spülte, wo eine christliche
Matrone namens Valeria ihm dann, ein würdiges Begräbnis zuteil werden ließ.
Bis zu seiner Bergung habe ein Adler mit ausgebreiteten Fittichen seinen
Leichnam bewacht, nachdem der römische Adler ihn zur Leiche gemacht hatte.,
Heute steht dort das Barockstift St. Florian, unter dessen Orgel Altmeister
Anton Bruckner begraben liegt. Alle Berufe aber, die es mit dem Brennen und Löschen
zu tun haben: Die Köhler und die Schmiede, die Kaminkehrer und die Zinngießer,
die Schnapsbrenner und allen voran die Feuerwehren haben ihn, den
Feuergepeinigten und Wassergesteinigten, zu ihrem Patron erwählt:
Es brennt, o heiliger Florian, Heut aller Orts und
Enden: Du aber bist der rechte Mann, Solch Unglück abzuwenden!'